Angela Baral (HP) - Homöopathie-Praxis

Selbstbehandlung

Seit einiger Zeit tauchen in Buchhandlungen und Apotheken vermehrt Bücher über die Selbstbehandlung mit homöopathischen Medikamenten auf. Ob für die Behandlung von Erkältungskrankheiten oder Kopfschmerzen, für viele Krankheitsbilder wird eine wenig differenzierte Medikamentenempfehlung angeboten.

Die Homöopathik ist jedoch eine sehr anspruchsvolle Heilmethode. Die Arzneimittelwahl erfolgt nach den individuellen Symptomen des Kranken. Dazu muss die Behandlerin oder der Behandler alle Krankheitszeichen des Körpers, aber auch in Geist und Gemüt erfassen, um damit das für die jeweilige Krankheit passende Arzneimittel zu bestimmen und zu verordnen. In den angesprochenen Ratgebern sind meist nur Standardrezepte angeführt, die nur zufällig wirken können und genau genommen mit der homöopathischen Heilweise nichts zu tun haben.

Es stellt sich darüber hinaus die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine Selbstmedikation überhaupt möglich ist. Grundsätzlich gilt in der Medizin, dass eine Selbstbehandlung nur bei Bagatellerkrankungen in Frage kommen kann. Die Fähigkeit, Gesundheitsstörungen entsprechend beurteilen zu können, wird somit eine wichtige Voraussetzung. Die fehlende Distanz des Kranken zu sich selbst oder behandelnder Eltern zu ihren Kindern ist ein weiterer Aspekt, der bedacht werden sollte.

Dosierungsangaben

Problematisch sind die Dosierungsangaben (Einnahmehinweise). Sowohl die Menge an Arznei als auch die Häufigkeit der Arzneinahme ist von der individuellen Reaktionslage des Patienten abhängig und damit auch im Einzelfall jeweils individuell festzulegen. Oft reicht eine einmalige Gabe einer kleinen Menge der richtig gewählten Arznei aus, um die Gesundheit wieder herzustellen. Dies trifft nicht nur auf die Dosierungsangaben in den Schriften zur Selbstmedikation zu, sondern auch auf die Angaben auf den Arzneifläschchen.

Welche Folgen kann eine Selbstbehandlung für den Patienten haben?

Im ersten Fall tut sich für den Patienten gar nichts.
Er wird also in einem Gespräch einfließen lassen: "Homöopathie habe ich auch schon probiert, die bringt gar nichts!"

Im zweiten Fall tut sich zwar etwas, z.B. eine äußere Beschwerde bessert sich, der Schwerpunkt der Erkrankung, wird aber nicht berührt. Der Kranke hat die Chance für eine tiefgreifende Heilung verpasst. Er fühlt sich - trotz des Arzneimittels - irgendwie nicht richtig wohl.

Im dritten Fall nimmt der Kranke eine Reihe von homöopathischen Medikamenten ein. Jedes tut ein wenig, viele Symptome verschwinden, doch der Organisums wird nicht wirklich gesund.
Als Ergebnis haben wir einen symptomlosen Kranken. Die Krankheit wurde nur nach innen verlagert, unterdrückt, wie wir sagen. Sie arbeitet weiter und kann den Hilfesuchenden schädigen. Diese Kranken sind wegen der fehlenden Symptome auch für Profis nur unter großen Schwierigkeiten zu behandeln.

Komplexpräparate

Das Gleiche gilt für die Anwendung von Komplexpräparaten, also einer Mischung von verschiedenen homöopathischen Mitteln in unterschiedlichen Potenzen.

Allgemein besteht die Gefahr, dass eine Erkrankung ernster ist, als angenommen wird und dadurch fachliche Hilfe nicht oder zu spät in Anspruch genommen wird.

Falscher Umgang mit dem Arzneimittel, etwa durch falsche Dosierung, führt nicht zu der gewünschten Verbesserung sondern zur Verschlechterung. Dies geschieht oft, ohne dass die Gründe in der fehlerhaften Dosierung erkannt werden. Leichtfertige und fehlerhafte Anwendung der homöopathischen Arzneimittel kann auch zu einem Abstumpfen der Reaktionskräfte des Menschen für diese Anreize führen.

Häufige Fehler bei der Selbstmedikation

1. falsches Medikament
2. falsche Dosierung (zu häufig)
3. Nichterkennen einer Heilreaktion oder einer Medikamentenprüfung.
4. Falsche, nicht der Lebenskraft angepasste Potenz

Die Klassische Homöopathie wird seit 200 Jahren nach feststehenden Gesetzmäßigkeiten erfolgreich angewendet. Sie zu beherrschen, erfordert ein fundiertes Wissen und viel Erfahrung. Die homöopathische Behandlung chronischer Erkrankungen bedarf aufgrund ihrer besonderen Schwierigkeit unbedingt eines kompetenten Behandlers.

Besonders schwierig wird die Situation, wenn während einer chronischen homöopathischen Behandlung, ohne Wissen des Therapeuten, Medikamente (pflanzliche, homöopathische Hausmittel oder Antibiotika) eingenommen werden.

Auch andere Behandlungsmethoden wie Massage, Akupunktur usw. sollten während einer homöopathischen Behandlung unterbleiben oder zumindest immer mit ihrem Therapeuten abgesprochen werden.

Auch akute Krankheiten sind wichtige Hinweise für den Behandler. Oft öffnet
sich durch ein richtig gewähltes Akutmittel der ganze Behandlungsfall. Umgekehrt ist es sehr viel schwieriger ein Akutmittel zu finden, wenn schon eine Selbstmedikation erfolgt ist.

Bei Beachtung der oben angeführten Bedenken ist eine Selbstmedikation mit Homöopathie nur unter bestimmten Umständen sinnvoll. Voraussetzung dafür sind die notwendigen Kenntnisse bezüglich der Arzneien und die Grundregeln für eine sachgemäße Dosierung. Ein kompetenter Behandler muss, sobald nicht in kurzer Zeit entsprechende Besserung bei den Selbst-behandlungsversuchen eintritt, hinzugezogen werden.

Empfehlenswert

Homöopathie - So heile ich mich selbst
Dr. med. Heike Kovács/Roger Rissel
ISBN 978-3-8354-0310-9
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